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Osteoporose ©

Diagnostik und Therapie der Osteoporose (1. Teil)

Thema: Wenn die Knochen schwinden... -

Quizfrage:
Welches Lebensmittel enthält am meisten Kalzium (in Bezug auf die Kalorien)?
a)             Vollmilch 3,5 % Fett
b)             Quark 40 % Fett
c)             mageres Rindfleisch
d)             Weißkohl

Ab 35 geht´s bergab...

...jedenfalls mit der Knochenmasse. Bis dahin sollte jeder soviel Knochensubstanz wie möglich aufgebaut haben. Danach setzt der Abbau ein und es droht die Osteoporose. Wir haben es allerdings in der Hand, diesen Verlust zu verlangsamen oder zu beschleunigen. In den Wechseljahren setzt dann mit der nachlassenden Östrogenausschüttung für einige Jahre ein beschleunigter Verlust der Knochenmasse ein. Viele Frauen rutschen dann in die Osteoporose. Männer bekommen meist erst im Senium (weit über 80 Jahre) eine Osteoporose. Darum gaben Ärzte den Frauen ja auch Hormone, in der Hoffnung, die Knochen zu schützen. Ich schreibe bewusst "gaben", denn die Hormonersatztherapie ist in den letzten Jahren in Verruf geraten. Den Ergebnissen der WHI (Women´s Health Initiative)-Studie zufolge werden zwar tatsächlich unter der Hormontherapie einige Knochenbrüche verhindert, allerdings um den Preis von wesentlich mehr Herzinfarkten, Schlaganfällen, Thrombosen und Brustkrebsen als Knochenbrüche verhindert werden. Die Gesamtbilanz ist eindeutig negativ. Man sollte heute eine Hormonersatztherapie nur noch bei starken Wechseljahresbeschwerden geben, die durch andere Therapien nicht befriedigend zu behandeln sind. Osteoporose allein ist heute keine Anzeige mehr für Hormone.

Die Milch macht´s ?

Also sollten wir täglich zur Vorbeugung oder Behandlung der Osteoporose einen halben Liter Milch trinken (600 mg Kalzium!) und die Knochen sind gerettet. Schön wär´s! Milch ist zwar in der Tat absolut recht kalziumreich. Wir müssen uns aber abgewöhnen, komplexe Systeme, wie es der Knochen im menschlichen Organismus darstellt, rein mechanistisch zu betrachten: Knochen enthält Kalzium, Kalzium macht den Knochen stabil, wenn wir viel Kalzium zuführen, wird der Knochen auch stabil. Milch enthält viel Kalzium, also macht Milch den Knochen hart. Solche Gleichungen gehen zwar in der Mathematik auf, selten jedoch in der Biologie. Und wie wir sehen, ist diese Gleichung eine Milchmädchenrechnung (im wahrsten Sinne des Wortes).

Schauen wir uns doch einmal die Häufigkeit von Knochenbrüchen in verschiedenen Teilen der Welt an. Bei Frauen über 35 Jahren gibt es in Norwegen mehr als 400 Fälle pro 100.000. In Deutschland sind es ziemlich genau 400. In Italien sind es knapp 250 (durch die vermehrte Sonnenbestrahlung und damit Vitamin D-Bildung?). Jetzt kommt aber die Überraschung: In den asiatischen Ländern Japan, China und Korea, wo eine nennenswerte Milchwirtschaft praktisch nicht existiert, kommt es nur zu 50 bis 100 Knochenbrüchen pro 100.000 Frauen über 35 Jahren. Dort müssten die älteren Menschen sich doch alle Nase lang die Haxen brechen, weil sie doch seit der Kindheit (Muttermilch) praktisch keine Milchprodukte zu sich nehmen. In asiatischen Ländern hat fast jeder Mensch eine Laktoseintoleranz, verträgt also den Milchzucker nicht, weltweit sind 80 % davon betroffen, in Mitteleuropa immerhin noch jeder Siebte. Wenn man die Statistik bösartig interpretieren würde, könnte man sogar zu der Überzeugung kommen, dass Milchzufuhr ein Risikofaktor für eine Osteoporose ist.

Soweit möchte ich nicht gehen. Ich würde mir nur wünschen, dass das immer wiederholte Ammenmärchen: "Viel Milch - keine Osteoporose, keine Milch - und die Knochenbrüche sind vorprogrammiert!" endgültig ad acta gelegt wird. Sicher gibt es für die Bewohner der asiatischen Länder andere Schutzfaktoren (mehr Sojaprodukte mit Phytoöstrogenen, mehr Licht, vielleicht etwas mehr Bewegung), aber offensichtlich sind diese Schutzfaktoren doch wohl effizienter als unser immer wieder heraufbeschworener Milchkonsum zur angeblichen Prävention der Osteoporose.

Was hilft wirklich bei Osteoporose?

Östrogene gehen wegen der gefährlichen Nebenwirkungen nicht. Milch hat wohl doch nicht den von der CMA (Centralen Marketinggesellschaft für Agrarwirtschaft) gewünschten Effekt. Was sollen wir denn nun gegen die Osteoporose tun? Ernährung, Nahrungsergänzungen und Bewegung stehen sicher an erster Stelle.

Welche Lebensmittel sind bei Osteoporose günstig?

¤ Milchprodukte, insbesondere Hartkäse (wenn keine Milcheiweissallergie oder eine Laktoseintoleranz besteht, stellen in unserer Gesellschaft eine wichtige Kalziumquelle dar, deren Bedeutung jedoch oft überschätzt wird (siehe auch Auflösung der Quizfrage).

¤ Gemüse und Salate sind zwar absolut nicht besonders kalziumreich, aber relativ zu den Kalorien schon (siehe Auflösung der Quizfrage).

¤ Nüsse, Samen (z.B. Walnüsse, Leinsamen, Sesam) sind zwar aufgrund ihres Fettgehaltes recht kalorienreich, enthalten absolut auch viel Kalzium (120 g Sesam würden theoretisch den gesamten Kalziumbedarf eines Tages decken).

¤ Sojaprodukte sind nicht nur wegen ihres Kalziumgehaltes wertvoll, sondern auch wegen ihrer Phytoöstrogene, die einen natürlichen Knochenschutz darstellen.

¤ Kalziumreiche Mineralwässer beginnen ab etwa 250 mg/l (schauen Sie einmal auf das Etikett Ihres Wassers). Häufig wird behauptet, dass mineralreiche Mineralwässer ungünstig sind, da die Mineralien anorganisch sind und daher nicht aufgenommen werden können. Andererseits sollen sie die Gefäßverkalkung fördern (obwohl das Kalzium doch gar nicht aufgenommen wird). Und mineralarmes Wasser ist viel besser, weil es doch am meisten Schadstoffe aus dem Körper lösen kann. Hier wird unglaublich viel Blödsinn auf einem Haufen verbreitet. Belege gibt es dafür keine und wenn, dann beweisen sie das Gegenteil. Zur Aufnahme: In Resorptionsstudien hat man festgestellt, dass das Kalzium aus Mineralwasser sogar besser als aus der Milch resorbiert wird. Ist es erst einmal im Blut, macht es für den Körper keinen Unterschied, ob es einmal organisch oder anorganisch gebunden war. Jedes Kalzium - ob organisch oder anorganisch - wird im Darm als Kalziumion aufgenommen. Der Körper macht dann keinen Unterschied mehr, ob dieses Ion mal organisch gebunden war oder nicht. In Gegenden mit hartem (also kalziumreichen) Wasser gibt es nicht mehr Arteriosklerose als in Gegenden mit weichem Wasser - tendenziell sogar weniger. In einem Liter mineralreichen Wassers sind 1-2 g Mineralien gelöst (selten mehr). Die Lösungsfähigkeit beträgt jedoch ein Vielfaches davon. Ob also Wasser 1 g oder 0,1 g Mineralien enthält, es kann nahezu gleich viel andere Stoffe aufnehmen. Und zum Schluss: Ist es nicht merkwürdig, dass seit der Antike Quellen mit heilenden Wässern bekannt sind. Mineralanalysen gab es damals noch nicht. Aber nahezu alle bekannten Heilquellen stoßen ein besonders mineralreiches Wasser aus. Kalziumreiche Mineralwässer sind also sehr wohl bei Osteoporose schützend!

Welche Lebensmittel sollten Sie bei Osteoporose eher meiden?

Phosphatreiche Lebensmittel sollten eher gemieden werden. Wir benötigen zwar auch Phosphat für den Knochen, das Verhältnis von Phosphat zu Kalzium sollte aber etwa 1:1 betragen, tatsächlich beträgt es bei uns aufgrund der phosphathaltigen Lebensmittelzusatzstoffe etwa 2:1, was für die Kalziumaufnahme und den Knochen eher ungünstig ist. Neben Wurst und Fleisch (schauen Sie einmal auf das Kleingedruckte an der Fleischtheke!) sind besonders Cola-Getränke und Limonaden zu nennen. Eine amerikanische Studie untersuchte einmal die Knochenbruchrate von amerikanischen Schulmädchen. Dafür wurden die Mädchen in drei Gruppen eingeteilt: Die Wenig-Cola-Trinker, die Viel-Cola-Trinker und die Mittleren (jeweils ein Drittel). Aus wissenschaftlichen Gründen wäre es natürlich am besten gewesen, man hätte eine Gruppe genommen, die gar keine Cola trinkt, um klare Unterschiede herauszuarbeiten, aber finden Sie einmal in Amerika Kinder, die keine Cola trinken (bei uns schaut es mittlerweile ja kaum anders aus)! Ergebnis: Die Kinder mit dem hohen Cola-Konsum hatten mehr Knochenbrüche als die mit dem geringen Konsum. Viel-Cola-Trinkerinnen hatten bereits im Schulmädchenalter dreimal mehr Knochenbrüche als die Wenig-Cola-Trinkerinnen! Ursächlich werden hierfür das Phosphat und das Coffein (auch ein "Kalziumräuber" durch vermehrte Ausscheidung über den Urin) verantwortlich gemacht. Wenn Sie wegen der Osteoporose Milchprodukte verzehren, dann bitte auf keinen Fall Schmelzkäse, da dieser sehr viel Phosphatsalze enthält.

Welche Nahrungsergänzungen sind bei Osteoporose empfehlenswert?

Hier stehen natürlich Kalzium und Vitamin D an erster Stelle. Vorbeugend kann man 500 mg Kalzium plus 500 IE Vitamin D zusätzlich nehmen. Ist bereits eine Osteoporose bekannt, so sollten etwa 1000 mg Kalzium plus 1000 IE Vitamin D eingenommen werden. Präparatebeispiele:

Präparat Kalzium (mg) Vitamin D (IE) Preis/Einheit (€)
Calcium D3-ratiopharm Brausetabl. 600 400 0,25
Calcium D3 STADA Kautabl. 600 400 0,22
Calcium D3 STADA Brausetabl. 1000 880 0,51
Calcium-D-Sandoz Brausetabl. 600 400 0,31
Osteoplus Brausetabl. 1000 1000 0,41
TOGASAN Calcium+Vit. D3 Brausetabl. 1000 880 0,45

Diese Liste ist nicht vollständig, sondern soll nur Beispiele angeben. Wir benötigen aber zur Verhütung der Osteoporose auch noch andere Nährstoffe, z.B. Magnesium, Vitamin C, Vitamin K und einige Spurenelemente. Möchte man ein Kombinationspräparat einsetzen, welches diese Stoffe beinhaltet, so empfehle ich meinen Patienten gern Orthoexpert nutri-osteo mit 800 mg Kalzium, 350 mg Magnesium, 200 IE Vitamin D, Vitamin K, Mangan, Kupfer und Sojaisoflavonen. Dieses Präparat ist mit 19 Euro Monatstherapiekosten zudem recht preisgünstig. In der Vorbeugung der Osteoporose könnte dies ausreichen, in der Therapie der manifesten Erkrankung ist mir hier allerdings das Vitamin D zu wenig, so dass ich noch 800 bis 1000 IE ergänze. 

Warum haben wir eigentlich Angst vor zu vielen Vitaminen, aber nicht vor dem Mangel mit seinen gravierenden Folgen? 

Bei meinen Patienten mit entsprechender Indikation messe ich regelmäßig den Vitamin D-Spiegel, gebe dann etwas, wenn der Spiegel zu gering ist, und kontrolliere nach drei Monaten. Ggf. muss dann die Dosis erhöht werden. Manchmal muss ich sogar 3000 oder 4000 Einheiten gegen, um den Mangel zu beheben. Nicht selten kommen die Patienten dann aufgeregt zu mir und berichten, ihr Arzt haben ihnen dringend vor der Einnahme von „Mega-Dosen“ des potentiell gefährlichen Vitamin D abgeraten. Wohlgemerkt: Die Patienten waren vorher in einem skandalösen Mangel. Die Werte waren von anderen Ärzten jedoch nie überprüft worden. Nach der Gabe hoher Dosen lag der Spiegel nachweisbar in einem optimalen Bereich – weit entfernt von einer Überdosierung. Trotzdem wird ignorant vor der Gabe der als optimal bewiesenen Dosis gewarnt.

Auf der anderen Seite gibt es Studien, die belegen, dass Bewohner von deutschen Altersheimen zu 100 % einen Vitamin D-Mangel haben. Noch einmal zum Mitschreiben: In deutschen Altersheimen gibt es praktisch keinen Insassen, der einen optimalen Vitamin D-Spiegel aufweist! Die Bezeichnung Insasse ist treffend, da für zu wenig Bewegung gesorgt wird und die Bewohner viel zu selten raus an die Sonne kommen – und wenn, dann in dichten, schwarzen Kleidern, die keinen Sonnenstrahl zur Haut durchlassen. Wenn jeder Bewohner dreimal pro Woche Fisch oder jeden Tag 1000 Einheiten Vitamin D bekäme, gäbe es mit Sicherheit weniger Oberschenkelhalsbrüche, Krebsfälle und andere Erkrankungen. Aber welcher Rentner wird schon auf Vitamin D untersucht? Stattdessen wird vor den  angeblichen Gefahren von Vitamin D gewarnt.

 

Lösung der Quizfrage:
 
Vollmilch ist natürlich sehr kalziumreich. 100 ml enthalten 120 mg Kalzium auf 64 kcal, also 1,9 mg/kcal. Quark enthält hingegen nur 95 mg/160 kcal also 0,6 mg/kcal, ist damit gar nicht so kalziumhaltig, wie allgemein angenommen wird. Quark ist vielmehr eine "Eiweißbombe" mit 11 g/100g. Eiweißbelastungen des Organismus führen jedoch über die Niere zu massiven Kalziumverlusten. Mageres Rindfleisch hat sogar nur 4 mg auf 105 kcal, also 0,04 mg Kalzium pro kcal und ist damit praktisch kalziumfrei. Fleisch enthält aber auch viel Eiweiß, was die Kalziumausscheidung fördert und viel Phosphat, welches ein "Gegenspieler" des Kalziums ist.

Der Weißkohl hingegen enthält mit 49 mg Kalzium auf 100 g zwar weniger als Vollmilch oder Quark, dafür aber auch nur 22 kcal. Das ergibt einen Quotienten von 2,2 mg pro kcal. Weißkohl ist erstaunlicherweise - bezogen auf die Kalorien- am kalziumreichsten. Wer hätte das gedacht?

Und was für den Weißkohl zutrifft, gilt im Prinzip für alle Gemüse und Salate: Diese enthalten zwar absolut nicht so sehr viel Kalzium, relativ zu den Kalorien jedoch weit mehr als die meisten Milchprodukte, außer Käse. Wenn Sie besonders viel Kalzium mit Milchprodukten zuführen wollen, dann sind Hartkäse zu bevorzugen. Gemüse enthalten relativ viel Kalzium, Sie müssten aber auch viel davon verzehren (2 kg Weißkohl am Tag, um die Gesamtmenge von 1 g zu erreichen), aber mit einer guten Gemüseportion von 400 g haben Sie in der Regel schon 20 % des Bedarfes gedeckt und sich dabei kaum mit Kalorien belastet. Wenn Sie Milchprodukte zur Deckung des Kalziumbedarfes bei Osteoporose bevorzugen, dann steht Quark so ziemlich an letzter Stelle. Fleisch sollte nur sehr sparsam eingesetzt werden. Dafür spricht auch, dass "KörnerfresserInnen" (Vegetarier) in den Wechseljahren signifikant bessere Knochendichten aufweisen als "FleischfresserInnen" (Carnivoren). Nährstoffangaben aus:
Elmadfa: Die große GU Nährwerttabelle, GU-Verlag.

Verpassen Sie nicht die Fortsetzung dieses Themas und klicken Sie hier: Osteoporose Teil 2

 © Dr. med. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

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Aktualisiert: August 2010

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