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HABICHTSWALDKLINIK
Klinik für Ganzheitsmedizin und Naturheilkunde
Abteilung Innere Medizin und Naturheilkundliche Ambulanz
34131 Kassel - Bad Wilhelmshöhe
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Knochenschwund ©
Diagnostik und
Therapie bei
Knochenschwund (1. Teil)
Thema:
Wenn die
Knochen schwinden... -
Quizfrage:
Welches Lebensmittel enthält am meisten Kalzium (in Bezug auf die Kalorien)?
a) Vollmilch 3,5 % Fett
b) Quark 40 % Fett
c) mageres Rindfleisch
d) Weißkohl
Ab
35 geht´s bergab...
...jedenfalls mit der
Knochenmasse. Bis dahin sollte jeder soviel Knochensubstanz wie möglich
aufgebaut haben. Danach setzt der Abbau ein und es droht Knochenschwund. Wir
haben es allerdings in der Hand, diesen Verlust zu verlangsamen oder zu
beschleunigen. In den Wechseljahren setzt dann mit der nachlassenden
Östrogenausschüttung für einige Jahre ein beschleunigter Verlust der
Knochenmasse ein. Viele Frauen rutschen dann in den Knochenschwund. Männer bekommen
meist erst im Senium (weit über 80 Jahre) einen Knochenschwund. Darum gaben
Ärzte den Frauen ja auch
Hormone, in der Hoffnung, die Knochen zu schützen. Ich
schreibe bewusst "gaben", denn die
Hormonersatztherapie ist in den letzten
Jahren in Verruf geraten. Den Ergebnissen der WHI (Women´s Health
Initiative)-Studie zufolge werden zwar tatsächlich unter der
Hormontherapie
einige Knochenbrüche verhindert, allerdings um den Preis von wesentlich mehr
Herzinfarkten,
Schlaganfällen,
Thrombosen und
Brustkrebsen als Knochenbrüche
verhindert werden. Die Gesamtbilanz ist eindeutig negativ. Man sollte heute eine
Hormonersatztherapie nur noch bei starken Wechseljahresbeschwerden geben, die
durch andere Therapien nicht befriedigend zu behandeln sind. Knochenschwund allein
ist heute keine Anzeige mehr für
Hormone.
Die
Milch macht´s ?
Also sollten wir täglich zur
Vorbeugung oder Behandlung bei Knochenschwund einen halben Liter Milch trinken (600
mg Kalzium!) und die Knochen sind gerettet. Schön wär´s! Milch ist zwar in der
Tat absolut recht kalziumreich. Wir müssen uns aber abgewöhnen, komplexe
Systeme, wie es der Knochen im menschlichen Organismus darstellt, rein
mechanistisch zu betrachten: Knochen enthält Kalzium, Kalzium macht den Knochen
stabil, wenn wir viel Kalzium zuführen, wird der Knochen auch stabil. Milch
enthält viel Kalzium, also macht Milch den Knochen hart. Solche Gleichungen
gehen zwar in der Mathematik auf, selten jedoch in der Biologie. Und wie wir
sehen, ist diese Gleichung eine Milchmädchenrechnung (im wahrsten Sinne des
Wortes).
Schauen wir uns doch einmal die
Häufigkeit von Knochenbrüchen in verschiedenen Teilen der Welt an. Bei Frauen
über 35 Jahren gibt es in Norwegen mehr als 400 Fälle pro 100.000. In
Deutschland sind es ziemlich genau 400. In Italien sind es knapp 250 (durch die
vermehrte Sonnenbestrahlung und damit
Vitamin D-Bildung?). Jetzt kommt aber die
Überraschung: In den asiatischen Ländern Japan, China und Korea, wo eine
nennenswerte Milchwirtschaft praktisch nicht existiert, kommt es nur zu 50 bis
100 Knochenbrüchen pro 100.000 Frauen über 35 Jahren. Dort
müssten die älteren Menschen sich doch alle Nase lang die Haxen brechen, weil
sie doch seit der Kindheit (Muttermilch) praktisch keine Milchprodukte zu sich
nehmen. In asiatischen Ländern hat fast jeder Mensch eine
Laktoseintoleranz,
verträgt also den Milchzucker nicht, weltweit sind 80 % davon betroffen, in
Mitteleuropa immerhin noch jeder Siebte. Wenn man die Statistik bösartig
interpretieren würde, könnte man sogar zu der Überzeugung kommen, dass
Milchzufuhr ein Risikofaktor für Knochenschwund ist.
Soweit möchte ich nicht gehen.
Ich würde mir nur wünschen, dass das immer wiederholte Ammenmärchen: "Viel Milch
- kein Knochenschwund, keine Milch - und die Knochenbrüche sind vorprogrammiert!"
endgültig ad acta gelegt wird. Sicher gibt es für die Bewohner der asiatischen
Länder andere Schutzfaktoren (mehr Sojaprodukte mit
Phytoöstrogenen, mehr Licht,
vielleicht etwas mehr Bewegung), aber offensichtlich sind diese Schutzfaktoren
doch wohl effizienter als unser immer wieder heraufbeschworener Milchkonsum zur
angeblichen Prävention von Knochenschwund.
Was
hilft wirklich bei Knochenschwund?
Östrogene gehen wegen der
gefährlichen Nebenwirkungen nicht. Milch hat wohl doch nicht den von der CMA (Centralen
Marketinggesellschaft für Agrarwirtschaft) gewünschten Effekt. Was sollen wir
denn nun gegen den Knochenschwund tun?
Ernährung,
Nahrungsergänzungen und Bewegung
stehen sicher an erster Stelle.
Welche Lebensmittel sind bei Knochenschwund günstig?
►Milchprodukte, insbesondere
Hartkäse (wenn keine Milcheiweissallergie oder eine
Laktoseintoleranz
besteht, stellen in unserer Gesellschaft eine wichtige
Kalziumquelle dar, deren Bedeutung jedoch oft überschätzt wird (siehe auch
Auflösung der Quizfrage).
►Gemüse und Salate sind zwar
absolut nicht besonders kalziumreich, aber relativ zu den Kalorien schon (siehe
Auflösung der Quizfrage).
►Nüsse, Samen (z.B. Walnüsse,
Leinsamen, Sesam) sind zwar aufgrund ihres Fettgehaltes recht kalorienreich,
enthalten absolut auch viel Kalzium (120 g Sesam würden theoretisch den gesamten
Kalziumbedarf eines Tages decken).
►Sojaprodukte sind nicht nur
wegen ihres Kalziumgehaltes wertvoll, sondern auch wegen ihrer
Phytoöstrogene,
die einen natürlichen Knochenschutz darstellen.
►Kalziumreiche Mineralwässer
beginnen ab etwa 250 mg/l (schauen Sie einmal auf das Etikett Ihres Wassers).
Häufig wird behauptet, dass mineralreiche Mineralwässer ungünstig sind, da die
Mineralien anorganisch sind und daher nicht aufgenommen werden können.
Andererseits sollen sie die Gefäßverkalkung fördern (obwohl das Kalzium doch gar
nicht aufgenommen wird). Und mineralarmes Wasser ist viel besser, weil es doch
am meisten Schadstoffe aus dem Körper lösen kann. Hier wird unglaublich viel
Blödsinn auf einem Haufen verbreitet. Belege gibt es dafür keine und wenn, dann
beweisen sie das Gegenteil. Zur Aufnahme: In Resorptionsstudien hat man
festgestellt, dass das Kalzium aus Mineralwasser sogar besser als aus der Milch
resorbiert wird. Ist es erst einmal im Blut, macht es für den Körper keinen
Unterschied, ob es einmal organisch oder anorganisch gebunden war. Jedes Kalzium
- ob organisch oder anorganisch - wird im Darm als Kalziumion aufgenommen. Der
Körper macht dann keinen Unterschied mehr, ob dieses Ion mal organisch gebunden
war oder nicht. In Gegenden mit hartem (also kalziumreichen) Wasser gibt es
nicht mehr
Arteriosklerose als in Gegenden mit weichem Wasser - tendenziell
sogar weniger. In einem Liter mineralreichen Wassers sind 1-2 g Mineralien
gelöst (selten mehr). Die Lösungsfähigkeit beträgt jedoch ein Vielfaches davon.
Ob also Wasser 1 g oder 0,1 g Mineralien enthält, es kann nahezu gleich viel
andere Stoffe aufnehmen. Und zum Schluss: Ist es nicht merkwürdig, dass seit der
Antike Quellen mit heilenden Wässern bekannt sind. Mineralanalysen gab es damals
noch nicht. Aber nahezu alle bekannten Heilquellen stoßen ein besonders
mineralreiches Wasser aus. Kalziumreiche Mineralwässer sind also sehr wohl bei
Knochenschwund schützend!
Welche Lebensmittel sollten Sie bei Knochenschwund eher meiden?
Phosphatreiche Lebensmittel
sollten eher gemieden werden. Wir benötigen zwar auch Phosphat für den Knochen,
das Verhältnis von Phosphat zu Kalzium sollte aber etwa 1:1 betragen,
tatsächlich beträgt es bei uns aufgrund der phosphathaltigen
Lebensmittelzusatzstoffe etwa 2:1, was für die Kalziumaufnahme und den Knochen
eher ungünstig ist. Neben Wurst und Fleisch (schauen Sie einmal auf das
Kleingedruckte an der Fleischtheke!) sind besonders Cola-Getränke und Limonaden
zu nennen. Eine amerikanische Studie untersuchte einmal die Knochenbruchrate von
amerikanischen Schulmädchen. Dafür wurden die Mädchen in drei Gruppen
eingeteilt: Die Wenig-Cola-Trinker, die Viel-Cola-Trinker und die Mittleren
(jeweils ein Drittel). Aus wissenschaftlichen Gründen wäre es natürlich am
besten gewesen, man hätte eine Gruppe genommen, die gar keine Cola trinkt, um
klare Unterschiede herauszuarbeiten, aber finden Sie einmal in Amerika Kinder,
die keine Cola trinken (bei uns schaut es mittlerweile ja kaum anders aus)!
Ergebnis: Die Kinder mit dem hohen Cola-Konsum hatten mehr Knochenbrüche als die
mit dem geringen Konsum. Viel-Cola-Trinkerinnen hatten bereits im
Schulmädchenalter dreimal mehr Knochenbrüche als die Wenig-Cola-Trinkerinnen!
Ursächlich werden hierfür das Phosphat und das Coffein (auch ein "Kalziumräuber"
durch vermehrte Ausscheidung über den Urin) verantwortlich gemacht. Wenn Sie
wegen Knochenschwund Milchprodukte verzehren, dann bitte auf keinen Fall
Schmelzkäse, da dieser sehr viel Phosphatsalze enthält.
Welche
Nahrungsergänzungen sind bei Knochenschwund empfehlenswert?
Hier stehen natürlich Kalzium und
Vitamin D an erster
Stelle. Vorbeugend kann man 500 mg Kalzium plus 500 IE
Vitamin D zusätzlich
nehmen. Ist bereits ein Knochenschwund bekannt, so sollten etwa 1000 mg Kalzium
plus 1000 IE
Vitamin D eingenommen werden. Präparatebeispiele:
|
Präparat |
Kalzium (mg) |
Vitamin D (IE) |
Preis/Einheit (€) |
|
Calcium D3-ratiopharm Brausetabl.
|
600 |
400 |
0,25 |
|
Calcium D3 STADA Kautabl. |
600 |
400 |
0,22 |
|
Calcium D3 STADA Brausetabl. |
1000 |
880 |
0,51 |
|
Calcium-D-Sandoz Brausetabl.
|
600 |
400 |
0,31 |
|
Osteoplus Brausetabl.
|
1000 |
1000 |
0,41 |
|
TOGASAN Calcium+Vit. D3
Brausetabl. |
1000 |
880 |
0,45 |
Diese Liste ist
nicht vollständig, sondern soll nur Beispiele angeben. Wir benötigen aber zur
Verhütung von Knochenschwund auch noch andere Nährstoffe, z.B. Magnesium,
Vitamin C, Vitamin K und einige Spurenelemente. Möchte man ein Kombinationspräparat
einsetzen, welches diese Stoffe beinhaltet, so empfehle ich meinen Patienten
gern Orthoexpert nutri-osteo mit 800 mg Kalzium, 350 mg Magnesium, 200 IE
Vitamin D, Vitamin K, Mangan, Kupfer und Sojaisoflavonen. Dieses Präparat ist
mit 19 Euro Monatstherapiekosten zudem recht preisgünstig. In der Vorbeugung von
Knochenschwund könnte dies ausreichen, in der Therapie der manifesten Erkrankung
ist mir hier allerdings das
Vitamin D zu wenig, so dass ich noch 800 bis 1000 IE
ergänze.
|
Warum haben wir
eigentlich Angst vor zu vielen Vitaminen, aber nicht vor dem
Mangel
mit seinen gravierenden Folgen?
Bei meinen
Patienten mit entsprechender Indikation messe ich regelmäßig den
Vitamin D-Spiegel, gebe dann etwas, wenn der Spiegel zu gering ist,
und kontrolliere nach drei Monaten. Ggf. muss dann die Dosis erhöht
werden. Manchmal muss ich sogar 3000 oder 4000 Einheiten gegen, um
den Mangel zu beheben. Nicht selten kommen die Patienten dann
aufgeregt zu mir und berichten, ihr Arzt haben ihnen dringend vor
der Einnahme von „Mega-Dosen“ des potentiell gefährlichen
Vitamin D
abgeraten. Wohlgemerkt: Die Patienten waren vorher in einem
skandalösen
Mangel. Die Werte waren von anderen Ärzten jedoch nie
überprüft worden. Nach der Gabe hoher Dosen lag der Spiegel
nachweisbar in einem optimalen Bereich – weit entfernt von einer
Überdosierung. Trotzdem wird ignorant vor der Gabe der als optimal
bewiesenen Dosis gewarnt.
Auf der anderen
Seite gibt es Studien, die belegen, dass Bewohner von deutschen
Altersheimen zu 100 % einen
Vitamin D-Mangel haben. Noch einmal zum
Mitschreiben: In deutschen Altersheimen gibt es praktisch keinen
Insassen, der einen optimalen
Vitamin D-Spiegel aufweist! Die
Bezeichnung Insasse ist treffend, da für zu wenig Bewegung gesorgt
wird und die Bewohner viel zu selten raus an die Sonne kommen – und
wenn, dann in dichten, schwarzen Kleidern, die keinen Sonnenstrahl
zur Haut durchlassen. Wenn jeder Bewohner dreimal pro Woche Fisch
oder jeden Tag 1000 Einheiten
Vitamin D bekäme, gäbe es mit
Sicherheit weniger
Oberschenkelhalsbrüche,
Krebsfälle und andere
Erkrankungen. Aber welcher Rentner wird schon auf
Vitamin D
untersucht? Stattdessen wird vor den angeblichen Gefahren von
Vitamin D
gewarnt. |
Lösung der
Quizfrage:
Vollmilch ist natürlich sehr kalziumreich. 100 ml enthalten
120 mg Kalzium auf 64 kcal, also 1,9 mg/kcal. Quark enthält hingegen nur 95
mg/160 kcal also 0,6 mg/kcal, ist damit gar nicht so kalziumhaltig, wie
allgemein angenommen wird. Quark ist vielmehr eine "Eiweißbombe" mit 11
g/100g. Eiweißbelastungen des Organismus führen jedoch über die Niere zu
massiven Kalziumverlusten. Mageres Rindfleisch hat sogar nur 4 mg auf 105
kcal, also 0,04 mg Kalzium pro kcal und ist damit praktisch kalziumfrei.
Fleisch enthält aber auch viel Eiweiß, was die Kalziumausscheidung fördert
und viel Phosphat, welches ein "Gegenspieler" des Kalziums ist.
Der Weißkohl
hingegen enthält mit 49 mg Kalzium auf 100 g zwar weniger als Vollmilch oder
Quark, dafür aber auch nur 22 kcal. Das ergibt einen Quotienten von 2,2 mg
pro kcal. Weißkohl ist erstaunlicherweise - bezogen auf die Kalorien- am
kalziumreichsten. Wer hätte das gedacht? Und was für den Weißkohl zutrifft,
gilt im Prinzip für alle Gemüse und Salate: Diese enthalten zwar absolut
nicht so sehr viel Kalzium, relativ zu den Kalorien jedoch weit mehr als die
meisten Milchprodukte, außer Käse. Wenn Sie besonders viel Kalzium mit
Milchprodukten zuführen wollen, dann sind Hartkäse zu bevorzugen. Gemüse
enthalten relativ viel Kalzium, Sie müssten aber auch viel davon verzehren
(2 kg Weißkohl am Tag, um die Gesamtmenge von 1 g zu erreichen), aber mit
einer guten Gemüseportion von 400 g haben Sie in der Regel schon 20 % des
Bedarfes gedeckt und sich dabei kaum mit Kalorien belastet. Wenn Sie
Milchprodukte zur Deckung des Kalziumbedarfes bei Knochenschwund bevorzugen,
dann steht Quark so ziemlich an letzter Stelle. Fleisch sollte nur sehr
sparsam eingesetzt werden. Dafür spricht auch, dass "Körnerfresserinnen"
(Vegetarier) in den Wechseljahren signifikant bessere Knochendichten
aufweisen als "Fleischfresserinnen" (Carnivoren). Nährstoffangaben aus:
Elmadfa: Die große GU Nährwerttabelle, GU-Verlag.
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Fortsetzung dieses Themas und klicken Sie hier:
Knochenschwund Teil 2
Mit den besten Wünschen für Ihre
Gesundheit!
©
Dr. Volker
Schmiedel
Chefarzt der Inneren
Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin
(Univ. Mailand).

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